Prof .Dr. Anton Sterbling, Mitglied im Kuratorium der Stiftung Vertriebene in Sachsen, hat den Donauschwäbischen Kulturpreis 2025 erhalten
Seit 2017 gehört Professor Dr. Anton Sterbling zum Kuratorium unserer Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen. In vielen Fragen hat er uns als Sozialwissenschaftler beraten, Vorträge gehalten, Artikel und Rezensionen für die Verbandszeitung und Internetseite geschrieben, die die Angelegenheiten der Vertriebenen und Aussiedler betreffen. Dabei wurde er in doppelter Weise tätig, als Wissenschaftler und als Betroffener.

Prof. Sterbling wurde am 12. April 1953 in Großsanktnikolaus / Sannicolau Mare / Rumänien geboren. In seinem Geburtsort konnte er eine deutschsprachige Schule besuchen. Die Möglichkeit, Deutsch zu sprechen und deutsche Schulen zu besuchen, war ein Privileg der deutschen Minderheit in Rumänien, dass es in den meisten anderen Ostblockländern nicht gab. So konnte Sterbling sich als Gymnasiast an der Gründung eines Literatenkreises, der Aktionsgruppe Banat, beteiligen. Zu ihr gehörten neun Gymnasiasten und Studienanfänger aus den Jahrgängen 1951-1955. Sie stammten alle aus Region Großsanktnikolaus. Alle schufen außerordentliche schriftstellerische Werke in Lyrik, Prosa oder beidem. Sterbling betätigte sich in beiden Genres. Die Aktionsgruppe stand mit anderen jungen deutschen Banatern in Kontakt. Zu ihnen gehörte auch die spätere Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die ein Mitglied der Gruppe, Richard Wagner, heiratete. Die schöngeistige Beschäftigung der jungen Banater war ein Ventil für die nicht mögliche politische Betätigung. Dennoch standen auch sie im Fadenkreuz des rumänischen Geheimdienstes, der unberechenbarer und mörderischer war als in anderen Ostblockländern. Beispielsweise starb das Mitglied der Aktionsgruppe Banat, Rolf Bossert, nach seiner Aussiedlung in die Bundesrepublik unter nicht geklärten Umständen.
Anton Sterbling blieb dieses Schicksal erspart. Vielleicht lag das daran, dass er sich nach dem Abitur zu einem ingenieurwissenschaftlichen Studium entschloss und bereits 1975 in die Bundesrepublik übersiedelte. Hier konnte er Soziologie und Volkswirtschaftslehre studieren, ohne damit rechnen zu müssen, für abweichende Meinungen vom Geheimdienst verfolgt zu werden. An seinen Abschluss in Soziologie schloss sich eine wissenschaftliche Karriere an, die zur Promotion, Habilitation und Berufung als Professor führte.
Als Gesellschaftswissenschaftler schrieb er viele wissenschaftliche Bücher und Aufsätze. Hauptgegenstände sind Migration und Integration, insbesondere im Hinblick auf Südostmitteleuropa, sowie grundlegende sozialwissenschaftliche Werke wie die Einführung in die Soziologie oder Strukturfragen der modernen westlichen Gesellschaft.
Seine Heimat im Banat hat er nie verleugnet. Viele Veröffentlichungen befassen sich mit der Geschichte des Banats, unter anderem mit der Deportation von 40.000 Rumänen, unter ihnen 10.000 Angehörigen der deutschen Minderheit, in die Bărăgansteppe von 1951 bis 1956.
Sein als Schüler begonnenes schöngeistiges Schaffen hat er nie ganz aufgegeben und nach seiner Pensionierung wieder Prosa und Lyrik geschrieben.
Wer mit einem Suchprogramm im Internet nach Veröffentlichungen von Sterbling fahndet, dem wird sehr bald sein wichtigster Charakterzug auffallen, er ist ein Vielarbeiter.
Ein Schelm wird jetzt fragen, „Geht es Ihnen, Herr Professor, mit ihren Büchern und Aufsätzen wie Franz Schubert mit seinen Liedern, der sich angeblich gar nicht an alle Kompositionen erinnern konnte?“
Diese ungeheure Produktivität ist auch Thomas Strobel, Innenminister des Landes Baden-Württemberg, aufgefallen er hat Prof. Dr. Anton Sterbling den Donauschwäbischen Kulturpreis 2025 zuerkannt, den er ihm am 7. November verleihen wurde.
Der Verein Erinnerung und Begegnung e.V., Stifter der Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“, gratuliert Prof. Dr. Anton Sterbling, zu der Entscheidung des Ministers.
Friedrich Zempel
