Wolfgang Fiolka zum Gedenken

Am 22. Februar 2026 verstarb der langjährige Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Dresden/Meißen/Sächsische Schweiz und Ehrenvorsitzende des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz Wolfgang Fiolka.

Der Verstorbene wurde am 12. November 1931 in Breslau geboren. Anfang 1945 flüchtete die Familie vor der herannahenden Front in das Sudetenland. Nach der Eroberung Schlesiens durch die Sowjettruppen kehrten sie in die schwer beschädigte Stadt zurück. Nicht nur die Bombardements und der Artilleriebeschuss hatten einen Großteil der Stadt zerstört. Auf Weisung von Gauleiter Karl Hanke war ein Teil der Innenstadt abgerissen worden, um für die Flucht der NS-Größen eine Startbahn anzulegen.

Am 8. Mai 1945 wurde die Familie Fiolka aus Breslau vertrieben. Während der Flucht wurde seine Mutter mehrfach Opfer von Verbrechen. In Dresden endete die Flucht. 1953 flüchte er nach Westberlin. Dann zog es ihn nach Baden-Württemberg.

Das Gefühl, als Vertriebener nicht willkommen zu sein, ließ ihn nie los. Seine Erlebnisse veranlassten Wolfgang Fiolka zu der Feststellung, am 8. Mai 1945 seien nur die Kämpfe der Armeen zu Ende gegangen, aber nicht die Leiden unschuldiger Menschen.

Wolfgang Fiolka wurde Verwaltungskaufmann. Der Beruf war ihm auf den Leib geschneidert und so hatte er beruflichen Erfolg. Trotz seiner beruflichen Eingliederung betrachtete er weiterhin Breslau und Schlesien als seine Heimat. Seit 1957 war er ehrenamtlich in der Landsmannschaft Schlesien und im BdV tätig.

Nachdem er mit seiner Frau Sigrid aus familiären Gründen nach Dresden gezogen war, stellte er sich 2009 dem BdV-Kreisverband Dresden zur Verfügung. 2011 wurde er zum Kreisvorsitzenden gewählt. Auch überregional war er tätig und 2011 maßgeblich an den Vorbereitungen zur Gründung des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler (LVS) als Nachfolgeorganisation des insolventen BdV-Landesverbandes beteiligt. Wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrungen in der Vertriebenenarbeit wählte ihn der Landesverbandstag des LVS zum Landesgeschäftsführer.

Nachdem Wolfgang Fiolka 2019 nicht mehr für den Landesvorstand des LVS kandidiert hatte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden des LVS gewählt. Auch in anderen Vertriebenenorganisationen wurden ihm Ehrungen zuteil. Der BdV-Bundesverband verlieh ihm seine goldene Ehrennadel und die Landsmannschaft der Sudetendeutschen ernannte ihn zum Ehrensenator.

Einer seiner Weggefährten bezeichnete ihn als liberalen Preußen: pflichtbewusst, prinzipientreu, verbindlich, großzügig und kommunikativ. Diese Einschätzung müsste noch um das Adjektiv selbstbewusst ergänzt werden. Er hatte eine feste Meinung zu der Vertriebenenarbeit, der Vertriebenenpolitik und vielen anderen politischen Bereichen. Seine Ansichten hat er aber nie aggressiv, sondern konzentriert, beharrlich, geschickt, mit Sachlichkeit und Freundlichkeit vertreten.

Versammlungen und Veranstaltungen leitete er mit großer Souveränität und Geschick. Die vielbeschworenen Gegensätze zwischen Menschen, die in der DDR sozialisiert worden waren, und denen aus der alten Bundesrepublik, waren für ihn kein Problem.

In der Vertriebenenarbeit lag ihm die Pflege der grenzüberschreitenden Kontakte nach Schlesien besonders am Herzen – vor allem die deutsch-polnischen Jugendbegegnungen. Er organisierte viele Treffen mit den heutigen Bewohnern Schlesiens. Die Treffen mit Kulturgruppen der Minderheiten der Deutschen, Lemken, Ukrainer und Roma spielten dabei eine besondere Rolle. Noch im hohen Alter ließ er sich nicht lange bitten, wenn ihn die Damen der ausländischen Gruppen in seiner Eigenschaft als Veranstaltungsleiter zu einem Tänzchen aufforderten. Nachdem er Ende 2022 den Vorsitz des BdV-Kreisverbandes Dresden abgegeben hatte, traf er sich noch regelmäßig mit seinen engsten Mitarbeitern. Diese Tatsache macht deutlich, welches Ansehen er unter den Mitgliedern des BdV in Dresden und Sachsen genoss.

Wolfgang Fiolka blieb bis zu seinem Tod geistig rege und lebendig. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Friedrich Zempel