Alljährlich vergibt die Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ den ZukunftErb-Preis für herausragende künstlerische oder wissenschaftliche Leistungen, die sich mit der Geschichte und der Bewahrung des kulturellen Erbes der Heimatgebiete der Vertriebenen und Aussiedler befassen. Der Preis kann nicht nur an deutsche Bürger, sondern auch an Ausländer vergeben werden.

In den beiden Vorjahren gingen die Preise an Persönlichkeiten und Einrichtungen der deutschen Minderheiten in Polen und Ungarn.

In diesem Jahr verblieb das vom Freistaat Sachsen gestiftete Preisgeld in Höhe von 3000 Euro in Sachsen. Die Journalistin Peggy Patzschke wurde für ihren Roman „Bis ans Meer“ geehrt.

Die Preisverleihung fand im Rahmen des Sächsischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung statt, der am 21. September in der Sankt- Johannes- Kirche in Reichenbach bei Görlitz durchgeführt wurde.

In ihrem Buch verarbeitet die Autorin die Vertreibungsgeschichte ihrer Familie. Dabei legt sie den Fokus insbesondere auf die vielfältigen Leid- und Gewalterfahrungen der Frauen und Kinder, nicht nur während der Vertreibung, sondern auch in den folgenden Jahren durch die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Erlebten und Erlittenen.

Ihre Beschreibungen geben auch allen, denen dieses Thema bisher fremd war, einen Einblick in das Geschehen und wecken Empathie für die Vertriebenen. Dies erscheint 80 Jahre nach der Vertreibung immer noch erforderlich.

Der Roman verharrt nicht in der Beschreibung des Leides, sondern weist auch darüber hinaus in die Zukunft, wenn die Mutter der Protagonistin, die mit der Großmutter als Neunjährige vertrieben wurde, ihrer Tochter rät: „Trau Dich deshalb auch, Mutter zu werden. Das ist das größte Geschenk; denn es bedeutet, etwas zu haben, was wichtiger ist als man selbst. Lass Dir die Chance nicht entgehen.“

Die Laudatio hielt der Beauftragte Vertriebene und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen, Dr. Jens Baumann. Er hob besonders hervor, dass die Preisträgerin nicht zur Erlebnisgeneration, sondern einer nachfolgenden Generation angehört.

Dem stimmt die Redaktion uneingeschränkt zu; denn die Vertreibungs-geschichten sind nicht nur singuläre private Erlebnisse, sondern Teil der Geschichte der Deutschen.

Daher wird das Buch besonders bei den nachfolgenden Generationen auf Interesse stoßen. Das Buch ist im Aufbau Verlag erschienen. Es kostet 22 Euro.

Friedrich Zempel